Blutungsneigung und Gerinnungsstörungen

Blutungsneigung und Gerinnungsstörungen

Blutungsneigung in den Wechseljahren

Das Zusammenspiel der Hormone im Körper einer Frau verändert sich vor allem in den Wechseljahren. Bis sich der gesamte Organismus auf den Hormonmangel eingestellt hat, dauert es mehrere Jahre. Frauen nehmen diese Zeit unterschiedlich wahr. Einige merken von Beginn an gar nichts, andere haben während der Wechseljahre Beschwerden. Manche kämpfen gegen starke Blutungsneigung an, andere haben weniger Blutungen und die Abstände zwischen diesen ist unregelmäßig.

Eierstöcke produzieren die Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron

Die sogenannte Menopause, also die letzte Regelblutung, haben Frauen im Durchschnitt im Alter von 51 Jahren. Die Zeit vor der letzten Regelblutung wird unter Ärzten auch Prämenopause, die Zeit danach Postmenopause, genannt. Es ist jedoch von Frau zu Frau unterschiedlich wie lange die Phasen und die hormonelle Umstellung dauert. Die Eierstöcke produzieren während der fruchtbarenEmpfehlung mit Herz uterus-3777765_1920 Blutungsneigung und Gerinnungsstörungen    Phase die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron, welche zyklisch aufeinander abgestimmt sind. Die Eierstöcke beginnen ebenfalls, im Alter von 40 bis 50 Jahren, die Hormonproduktion gering zu halten und produzieren diese weniger regelmäßig als vorher. Es ist möglich, dass der Eisprung ausbleibt, die Menstruation unregelmäßiger wird und diese auch irgendwann ganz wegbleibt.

Typische Beschwerden sind Hitzewallungen und Schweißausbrüche

Beschwerden die am häufigsten auftreten und unter denen Frauen in den Wechseljahren leiden, sind Schweißausbrüche und Hitzewallungen. Mehr als die Hälfte aller Frauen sind davon betroffen. Meist hören die Beschwerden jedoch nach ein bis zwei Jahren wieder von alleine auf. Allerdings erlebt jede dritte Frau diese Beschwerden über einen längeren Zeitraum, etwa über 5 Jahre hinweg.
Mögliche weitere Beschwerden sind:
• Stimmungsschwankungen,
• Gelenkbeschwerden,
• Haarausfall,
• trockene Haut,
• Blasenentzündungen, Harninkontinenz,
• Juckreiz und Trockenheit im Intimbereich,
• Abnahme der Lust.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Wechseljahresbeschwerden zu lindern

Um die Beschwerden der Wechseljahre so gering wie möglich zu halten, gibt es, je nachdem unter welchen Beschwerden die Frau leidet, verschiedene Wege. Gegen Hitzewallungen und Schweißausbrüche wirkt am besten eine Hormonersatztherapie. Diese bietet neben dem Lindern der Beschwerden auch andere Vorteile. Die eingesetzten Hormone schützen demnach auch vor Darmkrebs, hohem Blutdruck, Gewichtszunahme, Blasenstörungen und Diabetes. Gleichermaßen wirksam sind sie gegen Herzinfarkte und schützen die Frauen effektiv, wenn diese zu Beginn der Therapie jünger als 60 Jahre alt sind. Alternativ zur Hormontherapie lassen sich pflanzliche Mittel einsetzen. Ihr Nutzen ist unterschiedlich, sie sind aber weit verbreitet.
Bewegung und ausreichend Sport helfen dabei das Gewicht zu halten und wirken sich positiv auf das Herz-Kreislaufsystem aus. Zusätzlich kann körperliche Aktivität nachweislich Blutungsstörungen in den Wechseljahren reduzieren, besonders die Hitzewallungen und Schweißausbrüche.

Blutungsstörungen in den Wechseljahren können die Lebensqualität stark einschränken

Vor allem in der Prämenopause leiden Frauen unter Blutungsstörungen. Diese kommen nicht nur in unregelmäßigen Abständen vor, sondern werden auch stärker. Diese Tatsache ist neben dem unangenehmen Effekt auch vor allem schlecht, da es zu einem starken Blutverlust kommt.
Nicht nur die Hormongabe kann dagegen helfen, auch schonende operative Maßnahmen werden von Ärzten durchgeführt. Im Klinikum Landsberg wird eine sogenannte Endometriumablation angewandt, bei der die Frauenärzte die Gebärmutter so behandeln, dass die Blutungen bei bis zu 80 Prozent der Patientinnen verhindert werden. Mit einer unter den Fachärzten bekannten Schlüsselloch-Chirurgie gibt es eine schonende Technik, bei der die Gebärmutter operativ entfernt werden kann. Die Beschwerden der Blutungsstörungen in den Wechseljahren sind vielfältig und individuell, weshalb sich jeder selbst von seinem Frauenarzt beraten lassen sollte.
Oft ist der Übergang in die Wechseljahre davon gekennzeichnet, dass Blutungsstörungen auftreten. Diese sind oft Vorboten und treten gehäuft im Lebensjahr zwischen 45 und 55 auf. Hormonelle Ungleichgewichte zwischen Estrogenen und Gelbkörperhormonen sind in dieser Lebensphase die Ursache die am häufigsten auftritt. Blutungsstörungen können ebenfalls durch organische Ursachen zustande kommen. Besonders Myome (gutartige Tumoren der Gebärmutter) sowie das Auftreten von gutartigen Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut (Polypen) zählen dazu. Ausgeschlossen werden muss immer, dass Vorstufen einer Krebserkrankung der Gebärmutter oder ein Krebs der Gebärmutterschleimhaut vorliegen.

DiagnostikEmpfehlung mit Herz Herzinfarkt-Blutkreislauf Blutungsneigung und Gerinnungsstörungen

Um eine allumfassende Diagnose zu erhalten, gehören gynäkologische Untersuchungen dazu, ebenso wie ein Krebsabstrich und die Durchführung einer vaginalen Ultraschalluntersuchung. Bei Blutungsstörungen werden diese von der Krankenkasse übernommen. So kann meist eine organische Ursache (wie Myome oder Polypen) ausgeschlossen werden. Ist die Gebärmutterschleimhaut verdickt (Endometriumhyperplasie), wird ein Gestagentest (Gelbkörperhormontest) durchgeführt. Dabei wird durch eine Hormontherapie das Abbluten der Schleimhaut erzielt. Klappt dies nicht, muss eine weitere Diagnose gestellt werden. Eine Abklärung mittels Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) und eine Ausschabung sind dann notwendig, wenn Fälle unklar sind oder der Verdacht auf einen Gebärmutterschleimhautkrebs (oder dessen Vorstufen) vorliegt.

Therapie

Therapiert werden Blutungsneigungen in den Wechseljahren , bei organischen Ursachen, in diesem Sinne durch eine Gebärmutterspiegelung mit Ausschabung, ggf. auch eine operative Abtragung von Myomen oder Polypen. Ergibt sich eine Veränderung der Schleimhaut (Endometriumhyperplasie) ist diese je nach Alter der Patientin und Ausmaß der Endometriumhyperplasie hormonell zu therapieren. Dabei werden Gelbkörperhormone zyklisch oder oft auch kontinuierlich eingesetzt. Je nachdem welche Ausmaße die Veränderung annimmt, wird im Nachhinein erneut eine Kontroll-Gebärmutterspiegelung mit Ausschabung durchgeführt. Bei einer hormonellen Therapie lassen sich Blutungsstörungen wieder ins Gleichgewicht bringen. Dabei werden Gelbkörperhormone über 12 Tage pro Zyklus gegeben, wodurch die Regelmäßigkeit zurückkehrt und die Blutungen reduziert werden. Neben dieser Therapie ist auch der Einsatz einer Hormonspirale (Levonorgestrel-Intrauterin-System, LNG-IUS) eine mögliche Therapieoption um Blutungsstörungen in den Griff zu bekommen. Die Durchführung einer Endometriumablation ist eine weitere organerhaltende Alternative, wobei durch kleinere Operationen die Schleimhaut oder Gebärmutter abgetragen oder verschorft werden. Damit sollen 90 Prozent der Frauen weniger bluten und 30 Prozent frei von Blutungen sein. Durchgeführt wird dieser Eingriff mit einer Elektroschlinge oder auch mit modernen Methoden, bei denen die Schleimhaut direkt verschorft wird (bipolare Thermokoagulationsmethode). Wie so häufig müssen prinzipiell wieder bösartige Veränderungen ausgeschlossen werden, bevor solche Methoden Einsatz finden. Zudem besteht die Möglichkeit einer flexiblen Langzeitintervall-Therapie mit einem speziellen Medikament (Ulipristal), welches im 3-monatigen Intervall mit jeweils 2 Monaten Pause eingesetzt wird. Diese Methode findet Anwendung, sofern es zu myombedingten Blutungsstörungen in der Perimenopause kommt. Dadurch wird sehr schnell eine Blutungsfreiheit und eine Reduktion der Größe der Myome erzielt.
Somit lässt sich sagen, dass es unheimlich viele und vor allem vielfältige Methoden gibt. Auch viele, die eine Hysterektomie (Gebärmutterentfernung) vermeiden können. Für jede spezifische Situation kann eine umfassende individualisierte Beratung durch Ihren Arzt stattfinden.

Blutungsneigung Diagnose

Das macht der Arzt: Diagnosesicherung

Eine erhöhte Blutungsneigung ist meist äußerlich erkennbar und der Verdacht äußert sich somit durch sichtbare Symptome, beispielsweise bei einer körperlichen Untersuchung. In einem Gespräch mit dem Patienten wird nach bestimmten Erkrankungen und Medikamenten gefragt.
Um Gerinnungsstörungen durch Gefäßschäden festzustellen, reicht ein einfacher Test. Am Oberarm des Patienten wird eine Blutdruckmanschette aufgeblasen. Kommen nach fünf Minuten stecknadelkopfgroße Hautflecke bzw. Blutpünktchen zum Vorschein, spricht dies für eine erhöhte Gefäßbrüchigkeit und die leichte Verletzlichkeit der Blutgefäße. Ob eine Gerinnungsstörung vorliegt ist nicht nur durch Blutdruckmanschetten möglich, auch Plättchenzählungen aus dem Blutbild (werden bei jeder Untersuchung des Blutbildes durchgeführt) und Gerinnungstests INR, PPT und PTZ können dies erkennen. Diese Tests sind ausnahmslos in jedem Labor möglich. Besonders bei Funktionsstörungen der Blutplättchen oder einem Mangel einzelner Gerinnungsfaktoren sind Untersuchungen des Blutes jedoch in speziellen Gerinnungslabors nötig. Um die Ursache der Störung herauszufinden, können ebenfalls weitere Untersuchungen für eine Blutungsneigung Diagnose herangezogen werden. Bei erforderlichen Untersuchungen wie die des Knochenmarks beispielsweise, kann der Verdacht auf eine Blutplättchenbildungsstörung erkannt werden.
Bei Blutuntersuchungen erfassen sogenannte Globaltests mehrere Gerinnungsfaktoren und gleichzeitig bestimmte Teile des Gerinnungssystems. Dies trifft allerdings nur auf schwere Störungen zu. Treten leichtere Beeinträchtigungen auf, sind diese oft nur durch spezielle Tests nachweisbar. Zu diesen gehören Untersuchungen zur Anzahl und Funktion der im Blut vorhanden Plättchen, zur Quantifizierung bestimmter Zwischenprodukte des Gerinnungssystems und genetische Analysen. Vereinzelt kommt es vor, dass die Blutungsneigung Diagnose durch Blutparameter erhärtet wird, die die Funktion der Leber und Nieren wiederspiegeln oder Hinweise darauf geben, ob Begleiterkrankungen vorhanden sind.

Komplikationen

Erhöhte Blutungsneigungen können zu verschiedenen Komplikationen führen, da das Blut viel langsamer gerinnt als normal. In einigen Fällen kommt es zum sogar zum Ausbleiben der Gerinnung. Sofern daraufhin keine medikamentöse Therapie stattfindet, besteht in erster Linie das Risiko von Folgeerscheinungen. Die Blutgerinnung wird andernfalls von Ärzten regelmäßig kontrolliert und mit Medikamenten behandelt, wodurch die Komplikationsgefahr gesenkt wird. Häufig haben Betroffene einer erhöhten Blutneigung Nasenbluten oder verstärktes Zahnfleischbluten, wobei schon kleinere Schädigungen in Nase oder Mund ausreichen, um eine Blutung zu erzeugen.
Im Allgemeinen sind die Blutungen sehr intensiv und halten verhältnismäßig lange an. Die Gefahr von großflächigen Blutungen besteht, genauso wie Einblutungen in die Muskeln oder Gelenke, sowie das Entstehen von ausgeprägten Blutergüssen (Hämatomen). Eine scharfe Begrenzung der großflächigen Blutungen gilt als typisches Merkmal.
Folgeerscheinungen können sich ebenfalls im Auftreten einer Zahnfleischentzündung äußern, die durch das Vordringen von Bakterien an den beeinträchtigten Stellen entsteht. Im schlimmsten Fall tritt Eiter aus der Entzündung und entwickelt sich zu einem Abszess. In Extremfällen kommt es zu einer hämorrhagischen Diathese, einer Blutvergiftung (Sepsis) oder inneren Blutungen die schwer zu stillen sind. Bei der Abheilung von Blutergüssen sind Komplikationen im Bereich des Möglichen. Durch die Ansammlung von Blut unterhalb der Haut entsteht beispielsweise ein Unterdruck.

Erhöhte Blutungsneigung Symptome

Im menschlichen Organismus sorgt das Blutgerinnungssystem für das Aufrechthalten eines sensiblen Gleichgewichts: Das Blut muss zum einen flüssig genug sein, zum anderen muss es bei Bedarf sehr schnell in einen festen Zustand übergehen. Letzteres etwa im Fall einer Verletzung, da die Wunde verschlossen werden muss. Nur so kann ein größerer Verlust von Blut verhindert werden.
Blutgerinnungsstörungen gehen daher in zwei Richtungen: Entweder sie führen zu einer erhöhten Gerinnungsfähigkeit, die Folgeerscheinungen wie Gefäßverschlüsse mit sich bringt, oder zu einer Blutungsneigung die dann verstärkt auftritt. Gerinnungsstörungen können bei Menschen angeboren sein, aber auch Folge von Erkrankungen andere Art sein. Gleichermaßen kann eine solche Störung bedingt durch das Einnehmen von Arzneimitteln sein die zur Behandlung von beispielsweise Thrombosen oder bestimmten Herzerkrankungen eingesetzt worden sind.

Wie äußert sich eine erhöhte Blutungsneigung?

Im Verhältnis zu normalen Verletzungen äußert sich eine erhöhte Blutungsneigung durch eine zu starke und/oder langanhaltende Blutung. Auch Blutungen die ohne wirkliche Anlass zu Symptomen führen und sich als Spontanblutungen bezeichnen lassen, gehören zu den Anzeichen einer Blutungsneigung. Relativ häufig sind milde Formen von hämorrhagischen Diathesen, die bei Laboruntersuchungen des Blutes jedoch kaum Veränderungen aufweisen. Vor allem bei Routine- Laboruntersuchungen werden manchmal Veränderungen der Blutgerinnung festgestellt, die jedoch oft keinerlei Bedeutung haben. Nur durch Spezialuntersuchungen ist dann ersichtlich, ob eine wirklich relevante Gerinnungsstörung des Blutes vorliegt oder eben nicht.
Die möglichen erhöhte Blutungsneigung Symptome decken ein relativ weites Spektrum ab und können Anzeichen für lebensbedrohliche Blutungen sein. Eine klinisch ersichtliche Blutungsneigung äußert sich abhängig davon, welcher Bereich der Blutgerinnung geschädigt ist.

Mögliche erhöhte Blutungsneigung Symptome können sein:Empfehlung mit Herz blood-156063_1280 Blutungsneigung und Gerinnungsstörungen
• eine verstärkte und ungewöhnlich lange Blutung nach bedeutungslosen Verletzungen (ein kleiner Schnitt mit dem Messer)
• verstärkte Blutungen während einer Operation sowie Nachblutungen nach einer Operation
• verstärkte Blutungen bei schweren Verletzungen
• verstärkte Nachblutungen nach einer Geburt
• Bildung von unangemessen großen Hämatomen (blauen Flecken) schon bei kleineren Stößen
• Nasen- und Zahnfleischblutungen ohne beziehungsweise bei geringem Anlass, etwa beim Nase- oder Zähneputzen
• petechiale Blutungen (bräunliche flohstichartig aussehende Blutungen, die vor allem an den Beinen und den Armen auftreten)
• verstärkte oder verlängerte Menstruationsblutung
• Anämie (Verminderung des Blutfarbstoffes Hämoglobin) durch chronischen Blutverlust, der nicht durch eine Neubildung ausgeglichen werden kann.
• spontan auftretende, schwer stillbare Blutungen
Leitbeschwerden
• Ohne Grund gehäuft blaue Flecke
• Nach Verletzungen oder einer Zahnentfernung zu starke oder langanhaltende Blutungen oder erneut auftretende Blutungen nach bereits erfolgtem Stillstand
• Haut(ein)blutungen verschiedener Größe: stecknadelkopfgroße (Petechien), viele kleine wie ein Ausschlag (Purpura), ungefähr münzgroße (Sugillationen) oder flächenhafte (Suffusionen).

Schweregrade

Erhöhte Blutungsneigungen lassen sich, wie viele andere Krankheiten auch, in bestimmte Schweregrade einteilen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO teilt wie folgt ein: Bei Grad 1 liegen Symptome vor wie Hämatome und Petechien, wohingegen der höchste Grad (Grad 4) lebensbedrohliche Blutungen beinhaltet.

Erhöhte Blutungsneigung Ursache

Die richtige erhöhte Blutungsneigung Ursache kann vielfältige Hintergründe haben , durch ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren wird die Blutstillung oder Hämostase reguliert und lässt sich in drei Bereiche unterteilen: In die Blutplättchen (Thrombozyten), das Blutgefäßsystem und das sogenannte plasmatische Gerinnungssystem welches verschiedene, im Blutplasma gelöste Gerinnungsfaktoren enthält. Man unterscheidet, abhängig vom Bereich, in dem die Ursache einer Blutungsneigung liegt, in hämorrhagische Diathesen:
• Thrombozytäre hämorrhagische Diathesen
• Koagulopathien: Störungen des plasmatischen Gerinnungssystems
• Vaskuläre hämorrhagische Diathesen

Thrombozytäre hämorrhagische Diathesen

Essentieller Bestandteil der Blutgerinnung sind die Blutplättchen. Sie bilden bei Verletzungen von Blutgefäßen einen Pfropfen – den Thrombus -, der die geschädigte Stelle verschließt. Diesen Prozess nennt man primäre Blutstillung. Störungen in diesem Bereich des Gerinnungssystems treten am häufigsten auf und sind die Ursache für eine erhöhte milde Blutungsneigung: selten kommt es zu einer Thrombozytenstörung mit schwerwiegenden Blutungsneigungen.
Eine gestörte Funktion der Blutplättchen kann der Grund für eine Blutungsneigung sein, in dem Fall spricht man von einer Thrombopathie. Es handelt sich jedoch um eine Thrombozytopenie, wenn die Zahl der Blutplättchen vermindert ist.
Nicht nur bei den Thrombopathien, auch bei den Thrombozytopenien sind primäre und sekundäre Formen vorhanden. Sekundäre Formen treten meist als Begleiterscheinung andere Erkrankungen auf, zum Beispiel bei Lymphomen oder bösartigen Erkrankungen des blutbildenden Systems. Sie können auch durch Medikamente bedingt sein, wozu die Acetylsalicylsäure und andere Thrombozytenaggregationshemmer, die sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika und manche Antibiotika gehören.
Spricht man von einer primären Immunthrombozytopenie, dann handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Durch Antikörper ist der Mangel an Thrombozyten bedingt, die das Immunsystem fälschlicherweise bildet. Ursache der früher „idiopathisch thrombozytopenische Purpura“ genannten Erkrankung ist nicht bekannt. Die angeborenen und sehr seltenen thrombozytären hämorrhagischen Diathesen gehören zu den primären Formen und können milde bis sehr stark erhaben sein.

Koagulopathien – Störungen des plasmatischen Gerinnungssystems

Das plasmatische Gerinnungssystem ist aus verschiedenen sich im Blutplasma befindenden Botenstoffen und Substanzen gemacht, die eine aktivierende und hemmende Wirkung haben – den Gerinnungsfaktoren. Wenn die Gerinnungsfaktoren fehlen oder in der Menge und Funktion verändert sind, kommt es zu einer erhöhten Blutungsneigung und man spricht von einer Koagulopathie. Auch hierbei gibt es wieder angeborene und erworbene Formen. Die wohl bekannteste angeborene Form der Koagulopathie ist die Bluterkrankheit oder Hämophilie.
Die Erkrankung ist genetisch bedingt und ist, auf Grund des Erbgangs, fast nur bei Männern nachgewiesen worden. Bei Frauen ist eine Betroffenheit dann zu erkennen, wenn diese genetische Eigenschaften in sich haben und die Krankheit eventuell vererben können. Dann ist auch eine deutlich verstärkte Blutungsneigung aufzuweisen, welche bei Operationen behandelt werden muss.
Im plasmatischen Gerinnungssystem kann eine weitere Störung vorliegen: das sogenannte Willebrand-Syndrom. Dieses tritt bei Männer sowie Frauen gleichermaßen auf und ist durch einen Mangel oder Defekt des gleichnamigen Gerinnungsfaktors geprägt. Funktionsstörungen der Leber sind ausschlaggebende und mögliche Ursachen einer erworbenen Koagulopathie, da in ihr so gut wie alle Gerinnungsfaktoren gebildet werden. Zu den weiteren Gründen kann zum einen ein Vitamin-K-Mangel gehören, der zum Beispiel bei chronischen Erkrankungen des Darms entstehen kann, zum anderen eine sogenannte Verbrauchskoagulopathie die immer mit schweren Erkrankungen zusammenhängt und bei der eine übermäßig starke Blutgerinnung im Blutgefäßsystem vorherrscht.

Vaskuläre hämorrhagische Diathesen

Diese Form von Diathese beruht auf krankhaften Veränderungen von Blutgefäßen, wodurch die Gefäßwände vermehrt durchlässig sind. Diese erhöhte Blutungsneigung Ursache ist jedoch selten und kann sowohl lokal begrenzt sein, als auch das ganze System der Blutgefäße betreffen. Ebenfalls Ursache kann erbliches bedingtes Leiden sein, wie beispielsweise der Morbus Osler oder immunologisch bedingten Entzündungen wie bei der Purpura Schoenlein-Henoch, die vor allem Kinder und Jugendliche betrifft. Genauso gut kann eine Erhöhte Blutungsneigung Ursache auch die früher so gefürchtete Skorbut sein. Die Gerinnungstests sind bei diesen vaskulären hämorrhagischen Diathesen völlig im Normbereich.

Plättchenbedingte Blutungsneigungen

Für eine krankhafte Blutungsneigung sind vorwiegend die Blutplättchen (Thrombozyten) verantwortlich (plättchenbedingte Blutungsneigung). Typische Anzeichen hierfür sind viele stecknadelkopfgroße Blutungen der Haut und der Schleimhäute (z.B. der Mundschleimhaut).
Die häufigste Ursache ist ein Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) der zustande kommt, wenn der Körper eine immunologische Reaktion gegen Medikamente (z.B. Schmerzmittel, Entzündungshemmer, Antibiotika) zeigt. Außerdem kann eine Autoimmunreaktion gegen die Blutplättchen selbst hervorgerufen werden, wodurch es zum erhöhten Abbau kommt. Sollte keine Ursache für die Verminderung der Blutplättchen gefunden werden, spricht man unter Medizinern von idiopathischer thrombozytopenischer PurpuEmpfehlung mit Herz blood-75302_1280 Blutungsneigung und Gerinnungsstörungen    ra (also ursächlich unklar) oder Morbus Werlhof. Selten kommt es vor, dass im Knochenmark zu wenig Blutblättchen gebildet werden, z.B. nach Zytostatikabehandlung oder bei Leukämie.
Ebenfalls möglich ist eine Funktionsstörung der Blutplättchen (Thrombozytopathie), die dann zu einer plättchenbedingten Blutungsneigung führt und meist Medikamente zur Ursache hat (häufig durch Acetylsalicylsäure, z. B. Aspirin). Die Blutplättchen-Zahl ist dabei normal.

Gerinnungsstörungen

Von einer Gerinnungsstörung oder Koagulopathie spricht der Mediziner, wenn ein oder mehrere Gerinnungsfaktoren fehlen. Typisch für solche Störungen sind gehäuft blaue Flecke oder sogar ausgedehnte Muskel- und Weichteilblutungen.
Die erworbenen Formen sind wahrscheinlich häufiger als angeborene, selbst wenn genaue Zahlen bisher fehlen. Jede ausgeprägte Leberfunktionsstörung führt zu Gerinnungsstörungen, da die meisten Gerinnungsfaktoren in der Leber gebildet werden. Wie schon erwähnt, zieht dieses auch einen Vitamin-K-Mangel mit sich, da die Leber dieses benötigt. Bei Erwachsenen lässt sich ein Vitamin-K-Mangel mit Cumarinen (hemmen die Blutgerinnung) behandeln.
Bei einer Verbrauchskoagulopathie, also einer rasch einsetzenden Gerinnungsstörung, ist die Gerinnung im Rahmen lebensbedrohlicher Erkrankungen vorerst krankhaft gesteigert und bricht dann durch einen hohen Verbrauch zusammen. Somit stehen dann praktisch keine Gerinnungsfaktoren mehr zu Verfügung.
Unter den angeborenen Gerinnungsstörungen findet sich vermehrt das [von-] Willebrand-Jürgens-Syndrom vor, bei dem weniger ein Gerinnungsfaktor selbst, sondern ein entscheidendes, unterstützendes Eiweiß fehlt. So ein schwerer Fall ist jedoch selten. Bekannter, aber weniger häufig ist die Bluterkrankheit oder Hämophilie. Dabei wird der Gerinnungsfaktor VIII oder IX aufgrund eines genetischen Defekts nicht gebildet (Hämophilie A bzw. Hämophilie B). Aufgrund des x-chromosomalen Erbgangs sind von der Erkrankung fast nur Jungen betroffen, beschwerdefreie Frauen sind bisher nur als Überträgerinnen (Konduktorinnen) verzeichnet. Meist treten schwere Formen angeborener Gerinnungsstörungen schon im Kindesalter auf. Leichte Ausbildungen sind oft ohne Beschwerden im Alltag zu finden und werden oft erst dann entdeckt, wenn Operationen, Zahnentfernungen oder Blutgerinnungstests stattfinden.

Gefäßbedingte Blutungsneigungen

Selbst „undichte“ Gefäße können eine weitere Erhöhte Blutungsneigung Ursache sein (gefäßbedingte Blutungsneigung). Dies äußert sich oft durch Hautblutungen unterschiedlicher Größe. Ernsthafte Blutungen kommen eher selten vor.
Zum Beispiel der angeborene Morbus Osler (Rendu-Osler-Weber-Krankheit) zählt zu dieser Gruppierung. Dieser führt zu einer Bildung winziger, kaum mit dem Auge erkennbarer, rötlicher Gefäßerweiterungen (vor allem in Haut und Schleimhäuten, auch Leber und Nieren) führt. Gefäßerweiterungen dieser Art neigen zu Blutungen, wobei nur das leichte Berühren wie beispielsweise beim Rasieren ausschlaggebend für eine Blutung sein kann. Weitere Symptome sind Schleimhaut- und Nasenblutungen oder Blut in Urin oder Stuhl.
Ältere Menschen sind häufiger von der harmlosen senilen Purpura betroffen. Kleine Gefäße werden im Verlaufe der ganz normalen Hautalterung brüchig und lassen Blut hindurch, sodass in Handrücken, Unterarmen und Unterschenkelstreckenseiten keine Hautunterblutungen gebildet werden die von selbst verschwinden, jedoch dunkle und pigmentierte Stellen hinterlassen. Bei Langzeitbehandlungen von gefäßbedingten Blutungen mit Kortison wird die Haut, ähnlich wie gerade beschrieben, dünner und verletzlicher.
Gefäßbedingte Blutungen werden ebenfalls herbeigeführt durch immunologische Reaktionen auf Arzneimittel sowie Gefäßentzündungen (z.B. die klassische Panarteriitis nodosa). In seltenen Fällen gehört eine infektiös-allergische Gefäßentzündungen nach dem Kindesalter (Purpura Schoenlein-Henoch) zu der erhöhte Blutungsneigung Ursache.

Blutungsneigung Therapie und Behandlung

Beim Feststellen einer Ursache von Blutungsneigung, kann diese beseitigt werden. Es wird beispielsweise das auslösende Medikament abgesetzt oder die Autoimmunkrankheit wird behandelt. Bei einer Blutungsstörung (Hämophilie) wird regelmäßig der fehlende Gerinnungsfaktor in die Vene gespritzt. Der Patient ist durchaus in der Lage dies nach entsprechender Schulung selbst zu tun. Seit dem Jahr 2016 gibt es neue Medikamente auf dem Markt die eine Zulassung erhielten: Albutrepenonacog alfa (Idelvion®), Nonacog gamma (Rixubis®) und Eftrenonacog alfa (Alprolix®) zur Behandlung von Hämophilie B, Efmoroctocog alfa (Elocta®) von Hämophilie A. Die neuen Präparate weisen, im Gegensatz zu den älteren, alle eine längere Eliminationszeit auf, weshalb nun seltener Applikationen erforderlich sind.
Nicht kontrollierbedürftig, da sie meist von selbst verschwinden, sind milde Formen der idiopathischen thrombozytopenischen Purpura.
Bei lebensbedrohlichen Blutungen, vor geplanten Operationen oder einer sehr niedrigen Blutplättchenzahl bzw. sehr niedrigen Spiegeln der Gerinnungsfaktoren, werden weitere Maßnahmen getroffen. Fehlende Blutplättchen können beispielsweise durch Blutplättchenkonzentrate ersetzt werden. Dabei wird je nach Gerinnungsmangelzustand in Einzelfaktorpräparat und Präparat mit mehreren Gerinnungsfaktoren unterschieden. Diese werden überwiegend genetisch hergestellt, wodurch ein Infektionsrisiko (z.B. Hepatitis C) vermieden wird.

Was ist die richtige Blutungsneigung Therapie?

Abhängig von der Form, Ausprägung und Ursache, wird die Blutungsneigung Therapie ausgewählt und durchgeführt. Ausgehend von einer Blutungsneigung die infolge einer anderen Erkrankung oder etwa die Einnahme von Medikamenten bedingt ist, lassen sich wichtige therapeutische Maßnahmen ableiten. Klassische Medikamente die ein Blutungsrisiko hervorrufen sind Cumarin-Abkömmlinge in der Antikoagulantien-Therapie. Die korrekte Dosierung wird über regelmäßige Blutkontrollen eingestellt. Bei einer Über-Dosierung oder akuten Operationen muss die Wirkung des Mittels durch das entsprechende Gegenmittel (Vitamin K) neutralisiert werden.
Die relevanteste Behandlung besteht darin, die Ursachen zu beseitigen. Wie schon erwähnt, lassen sich bei fehlenden oder mangelnden Gerinnungsfaktoren durch Medikamente ersetzen, genauso wie die Blutplättchen bei einer thrombozytären hämorrhagischen Diathese. Zudem gibt in Fällen der primären Immunthrombozytopenie Medikamente, mit Hilfe dessen die Blutplättchen angehoben werden können.
Bei einem Mangel an Gerinnungsfaktoren oder Thrombozyten, kann bei geplanten Operationen eine Ersatztherapie notwendig sein. Akute Blutungen müssen beim Patienten mit erhöhter Blutungsneigung schnell gestoppt werden. Für eine Blutstillung zum lokalen Zweck, eignen sich Wundauflagen und Druckverbände. Zudem werden blutstillende Gaze (Mull) mit gerinnungsfördernden Substanzen auf die blutende Wunde gelegt, wodurch der Wundverschluss unterstützt wird.

Kann man erhöhten Blutungsneigungen vorbeugen?

Eine erhöhte Blutungsneigung vorzubeugen ist schwierig, dennoch hilft Betroffenen eine bewusste Lebensführung, die Gefahren von akuten Blutungen zu minimieren. Gefährliche Sportarten und riskante Situationen sollten von den Personen per se gemieden werden. Zudem sollten die Geschicklichkeit und der Gleichgewichtssinn trainiert werden, da dies hilft vor Verletzungen verschont zu bleiben.
Bei größeren Wunden bedarf der Körper zur Wundheilung Eiweiß, sowie Zink und Vitamine. Ein Mangel dieser, behindert die Blutstillung. Die Wundheilung wird prinzipiell durch eine gute Durchblutung unterstützt. Genau wie eine gesunde Ernährung gehört auch Bewegung zu den vorbeugenden Maßnahmen gegen eine verzögerte Blutstillung.
Bei einer Blutungsneigung Therapie sollten neben dem Nutzen ebenfalls die Risiken immer sorgfältig abgewogen werden. Leichtgradige hämorrhagische Diathesen müssen nicht unbedingt behandelt werden. Die Entscheidung für eine Therapie und die Kriterien der Auswahl dafür sollten stets individuell dem Patienten angepasst sein und zu der zu ermittelnden Blutungsneigung passen, bzw. sollte das Risiko abgewägt werden, eine schwere oder sogar lebensbedrohliche Blutung zu erleiden. Bei fast allen Betroffenen kann durch eine richtige Diagnose Schlimmes verhindert werden.

Selbsthilfe

Blutneigungen bestehen meist nur zeitweilig. Bis zur Besserung sollten sich die Betroffenen vor Verletzungen schützen und besonders die Warnzeichen einer bedrohlichen Blutung wahrnehmen.
Patienten mit einem Willebrand-Jürgens-Syndrom (angeborene Störung der Blutgerinnung) sind im Alltag meist nicht beeinträchtigt. Vor Operationen müssen Sie lediglich auf ihre Erkrankung hinweisen, damit dies beachtet werden kann und vorbeugend Medikamente gegeben werden können.
Anders ist dies jedoch bei der Bluterkrankung. Hierbei ist die Blutneigung oft so hoch, dass Gerinnungsfaktoren schon bei der kleinsten Verletzung gespritzt werden müssen und ein Leben lang Rücksicht auf die Erkrankung genommen werden muss (z.B. Meiden bestimmter Sportarten). Häufig haben die Betroffenen schon seit der Kindheit einen angepassten Lebensstil, in dem das Spritzen dazugehört. Bestimmte Maßnahmen sind bei der Krankheit empfohlen: Dazu gehört eine sorgfältige Zahnpflege um beispielsweise umfangreichere Zahnsanierungen zu vermeiden. Hinzu kommt ein spezielles Geschicklichkeitstraining, welches oft dabei hilft Verletzungen vorzubeugen. Bezüglich der vielen praktischen Fragen erhalten Betroffene Rat und Hilfe bei Selbsthilfegruppen.