Dranginkontinenz

Dranginkontinenz –Urgeinkontinenz

Dranginkontinenz  – Was ist das?

Neben der Stressinkontinenz/ Belastungsinkontinenz gehört die Dranginkontinenz (Blasenspeicherungsstörung), welche auch Urgeinkontinenz genannt wird, zu den häufigsten Arten der Harninkontinenz. Vor allem bei Männern jeden Alters, wird eine solche Inkontinenz diagnostiziert. Frauen hingegen sind eher selten davon betroffen.

Obwohl die Blase wenig gefüllt ist, verspüren die Betroffenen einen überfallartigen, nicht kontrollierbaren (imperativen) Harndrang.

Dranginkontinenz DefinitionEmpfehlung mit Herz Inkontinenz-Betroffener- Dranginkontinenz

Eine Dranginkontinenz bezeichnet also eine überaktive Blase (ÜAB). Im Jahr 2002 wurde der Begriff der überaktiven Blase von der internationalen Inkontinenzgesellschaft als offizielle Krankheitsbezeichnung eingeführt. Ärzte können durch diese Einführung schnell das Krankheitsbild der überaktiven Blase zuordnen und die Beschwerden des Patienten lindern, indem eine Therapie medizinisch indiziert und eingeleitet wird. Eine andere Bezeichnung, unter der man eine Dranginkontinenz versteht, ist die sogenannte Reizblase.

Dranginkontinenz Symptome

Dranginkontinenz-Patienten schildern oft typische Beschwerden wie zum Beispiel: „Wenn ich vor der Haustür stehe, bereits einen Harndrang habe und den Schlüssel noch suchen muss, wird der Drang immer stärker und dann passiert’s; ich kann den Urin nicht mehr halten – es geht in die Hose – bevor die Tür auf ist“. Zu den Dranginkontinenz-Symptomen zählt oft, dass die Betroffenen oft viel häufiger auf die Toilette müssen als es normalerweise üblich ist (mehr als 8 Mal in 24 h). Zudem ist die Nachtruhe der Patienten enorm gestört, da der Harndrang auch vermehrt nachts auftritt und somit auch dann die Toilette aufgesucht werden muss.

Es ist zwar so, dass der Blasenschließmuskel noch intakt ist, der Blasenmuskel reagiert dafür allerdings zu empfindlich bei einer solchen Inkontinenzform. Wenn dies passiert, zieht sich der Blasenmuskel schon bei geringer Füllmenge unwillkürlich zusammen, sodass, ohne dass der Betroffene es willentlich beeinflussen kann, es zu einem plötzlichen Harnabgang kommt.

Die Dranginkontinenz bzw. Drangharninkontinenz zählt zu dem typischen Beschwerdebild einer Harnblasenfunktionsstörung und ist auch unter dem Begriff „überaktive Blase“ bekannt. Dabei kann ein, ohne Vorzeichen eintretender, plötzlicher Harndrang so enorm sein, dass er zum ungewollten Urinverlust führt (zur Dranginkontinenz).

Typische Dranginkontinenz- Symptome

  • plötzlich– auch mehrmals pro Stunde auftretende – Phasen von starkem Harndrang ohne eine Vorankündigung
  • verspüren Sie häufig einen sehr starken, nicht kontrollierbaren Drang, Wasser zu lassen?
  • kommt es durch diesen imperativen Harndrang zu unwillkürlichem Harnverlust?
  • unkontrollierbarer, imperativer Harndrang: Der Harndrang ist extrem stark und oft auch schmerzhaft, vor allem dann, wenn sich die Muskulatur der Harnblase verkrampft. Das Gefühl wird dann häufig so stark, dass das Wasserlassen nicht aufzuschieben ist. Deshalb spricht wird oft von imperativem Harndrang gesprochen.
  • ungewollter Harnverlust: Häufig ist der Weg zur Toilette für die Betroffenen zu weit, wenn sich der imperative Harndrang bemerkbar macht. Bevor Betroffene ihr Ziel erreichen, tritt unerwünscht ein Schwall Harn aus.
  • häufige Toilettengänge: Zum Teil lassen Betroffene vermehrt Wasser bei normaler täglicher Gesamtmenge an Harn (Pollakisurie).
  • Nächtliches Wasserlassen: Auch nachts müssen viele Betroffene vermehrt Wasser lassen (Nykturie).
    Sind diese Beschwerden beobachtet worden dann liegt ziemlich sicher eine Dranginkontinenz oder eine nasse überaktive Blase vor, wobei sich die jeweiligen Symptome nicht wirklich unterscheiden.

 

Dranginkontinenz Ursachen

Unter der Dranginkontinenz versteht man ein Problem, bei dem die Signalübertragung zwischen Gehirn bzw. Rückenmark und Blase gestört ist. Schon bei der geringsten Blasenfüllung wird fälschlicherweise das Signal „Blase voll“ an das Gehirn gegeben.

Mögliche Ursachen können sein:

  • Operationen (wenn sie Nervenschäden oder -reizungen auslösen)
  • Neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Parkinson oder Alzheimer. Aber auch die Folgen eines Schlaganfalls oder ein Hirntumor können Ursache sein.
  • Ständige Reizungen der Blase beispielsweise durch Blasensteine oder Harnwegsinfekte (Blasenentzündung)
  • Diabetes (Zuckerkrankheit), wenn diese nicht genügend behandelt wird. Da sich Giftstoffe, die durch den erhöhten Blutzuckerspiegel entstehen, auf das Nervensystem auswirken.
  • Psychische Ursachen

 

Ersichtlich wird, dass es eine ganze Bandbreite an Ursachen gibt, die zu einer Dranginkontinenz führen können.
Unterschieden wird zwischen:

Sensorische Dranginkontinenz („überempfindliche Blase“)

Bei einer sensomotorischen Dranginkontinenz wird von den sensorischen Rezeptoren (den Fühlern in der Blasenwand) ein falscher Füllstand an das Gehirn übermittelt. Dieser Prozess lässt sich mit einer defekten Tankanzeige eines Autos vergleichend beschreiben. Die Fühler melden fälschlicherweise, dass die Blase „voll“ ist, obwohl diese noch so gut wie leer ist. Daraufhin veranlasst das Gehirn ein Zusammenziehen der Blasenmuskulatur, um die Blase zu entleeren, die jedoch nur gering gefüllt ist. Ursache dessen ist oft eine Überempfindlichkeit der Blase, aber auch Blasenentzündungen, Tumore, Östrogenmangel bei Frauen oder eine Verengung der Harnröhre durch eine Vergrößerung der Prostata bei Männern sein. Die sensorische Dranginkontinenz gehört zu den häufigsten Arten einer Inkontinenzkrankheit bei Männern.

Ursachen Sensorische Dranginkontinenz

  • Entzündungen an der Blase, Blasensteine
  • Harnwegsentzündung
  • Tumore
  • vergrößerte Prostata bei Männern oder Östrogenmangel bei Frauen

 

Motorische Dranginkontinenz („überaktive Blase“)

Bei einer motorischen Dranginkontinenz fehlt oft die Hemmung der Nervenimpulse des Blasenmuskels zum Gehirn, welcher für die Blasenentleerung zuständig ist. Als Folge dessen zieht sich dieser Muskel immer wieder krampfhaft und unkontrolliert zusammen, wodurch wiederum schwallartig kleine Mengen Urin abgegeben werden. Oft liegen die Ursachen einer motorischen Dranginkontinenz bei neurologischen Erkrankungen wie beispielsweise Alzheimer, Parkinson oder Multiple Sklerose. Auch ein Schlaganfall kann die Inkontinenz auslösen.

Ursachen Motorische DranginkontinenzEmpfehlung mit Herz inkontinenz-symbolbild Dranginkontinenz

Krankheiten wie:

  • Alzheimer
  • Parkinson
  • Multiple Sklerose
  • Schlaganfall

 

Hinweis:

Sollte eine Entzündung als Ursache der Dranginkontinenz festgestellt werden, muss diese im Körper selbst bekämpft werden. In diesem Fall wird empfohlen viel Tee und Cranberry-Saft zu trinken, die den Urin dann ansäuern.

Medikamente

Nicht nur neurologische Erkrankungen können Ursache für eine Dranginkontinenz sein, auch manche Medikamente können negative Auswirkungen haben und die Beschwerden der Betroffenen sogar verschlechtern. Zu diesen gehören z.B.:

  • Digitaliswirkstoffe, Herzglykoside (v. a. bei Herzrhythmusstörungen und Herzschwäche)
  • Betablocker (v. a. bei Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Herzschwäche, koronare Herzkrankheit)
  • Cholinergika und Cholinesterase-Hemmer (z. B. bei Demenz und neuromuskulären Erkrankungen)
  • Prostaglindin E1 und E2 (z. B. zur Förderung der Durchblutung)

 

Oft liegt die Ursache für eine dermaßen einschränkende Form der Harninkontinenz entweder direkt am Ort des Geschehens, also der Harnblase im kleinen Becken, oder aber auch im zentralen Nervensystem.
Eine Funktionsstörung der inneren Schleimhautauskleidung (Urothel) der Harnblase und der Harnblasenwandmuskulatur kann die Überaktivität in der Harnblase auslösen. Dabei strömen aus der Blase über das Rückenmark vermehrt Harndrang-Reize in das Gehirn ein.

Das Gleichgewicht zwischen den anregenden und hemmenden Reizen an die Blase ist dann so gestört, dass vermehrter Harndrang als Ergebnis auftritt. Eine bakterielle Blasenentzündung mit ihren vielen Menschen wohlbekannten Auswirkungen könnte beispielsweise eine derartige vorübergehende Funktionsstörung des Urothels sein.
Jedoch kann die Störung auch im Gehirn oder im Rückenmark bestehen (bedingt durch andere Erkrankungen wie Schlaganfall, Verletzungen u.v.a.m.). Die Hemmung der die Blase anregenden Impulse sind in diesem Fall meist zu schwach, wodurch eine Dranginkontinenz auftritt. Dies geschieht, obwohl die Blase eigentlich völlig gesund ist. Die Blase wird durch diese zentral ausgelösten Beschwerden, welche über Monate oder Jahre hinweg bestehen, mitunter so schwer belastet und geschädigt, dass rückwirkend dann auch die Nieren erkranken und eine starke Nierenschwäche entsteht.

Diabetes – erhöhter Blutzucker schädigt die Nerven

Auch die Krankheit Diabetes mellitus kann die Ursache einer Harninkontinenz sein. In verschiedenen Studien wird derzeit belegt, dass jeder zweite Diabetiker unter einer Blasenschwäche leidet. Auch, wenn dabei nicht konkret geklärt ist, warum Diabetes die Funktionsweise des Harntraktes schädigt, so ist dennoch klar, dass ein auf Dauer bestehender erhöhter Blutzucker die Nerven kaputt macht, welche für das Entleeren der Blase verantwortlich sind.

Hinweis:

Sollten Sie also Diabetes haben, achten Sie vor allem auf einen gut eingestellten Blutzuckerspiegel.

Chronischer Husten – er drückt auf die Blase

Dass Rauchen der Gesundheit schadet ist schon lange bekannt. Dass dieses aber auch als Laster und Auslöser einer Inkontinenz gilt, wissen längst nicht alle. Und tatsächlich können Raucherhusten und chronische Bronchitis laut des Infozentrums für Inkontinenz der Wegbereiter für eine Inkontinenz des Harntraktes sein. Durch das viele Husten wird vor allem der Druck auf die Blase größer und auch auf den Beckenboden wird enormer Druck ausgeübt. In diesem Fall kann es, bei nicht ausreichend trainiertem Beckenboden, zu tröpfchenweisem Urinverlust kommen.

Hinweis:

Es wird empfohlen, richtig zu husten. Experten raten beim Husten den Beckenboden etwas anzuspannen um dadurch den Druck auf das Gewebe zu verkleinern. Es ist daher wichtig und sinnvoll sich dabei aufzurichten und den Oberkörper so zur Seite zu drehen, dass die Druckwelle ausgeglichen werden und der Beckenboden angespannt werden kann.

Dranginkontinenz Therapie – Dranginkontinenz Behandlung

Entsprechend der veröffentlichten Empfehlungen (Leitlinien), die individuell den Patientenwünschen und den Gegebenheiten angepasst sind, wird nach der Diagnose eine Therapie durchgeführt. In der Regel wird dabei eine sogenannte Stufentherapie durchgeführt. Das bedeutet, dass, sofern eine Therapiestufe nicht ausreichend Wirkung zeigt, die nächste Stufe der Therapie in Angriff genommen wird. Im Folgenden werden nun die wichtigsten und modernsten Behandlungsformen beschrieben.

Nicht-chirurgische (konservative) Dranginkontinenz Therapie

Generell beginnt eine Stufenbehandlung nicht mit chirurgischen Behandlungsmaßnahmen, sondern mit konservativen Methoden wie mit einem Verhaltenstraining nach Auswertung des Miktionstagebuches (Miktions- und Toilettentraining). Oft wirkt in diesem Fall eine begleitende Physiotherapie unterstützend. Hier werden dann zusätzlich Beckenbodenübungen und Biofeedbacktraining angeboten, sowie eine Elektrostimulationsbehandlung.

Dranginkontinenz Therapie mit MedikamentenEmpfehlung mit Herz Inkontinenz-Senior Dranginkontinenz

Auf der Ebene der zweiten Stufe wird dann eine medikamentöse Therapie angefangen. Dabei stehen vor allem lokale Tabletten oder Medikamente auf dem Programm. Profitabel für Frauen mit altersbedingtem Östrogenmangel sind beispielsweise lokale Medikamente wie eine örtliche Östrogen-Salbe oder Scheidenzäpfchen. Hormone als Tabletten können weiterhin verabreicht werden.
Auch als Pflaster oder in Tablettenform erhältlich sind entsprechende am Markt befindliche (geprüfte) Arzneimittel (Anticholinergika) zur Dämpfung der Blasenüberaktivität. Die dauerhafte Einnahme ist hier notwendig. Die Symptome treten allerdings sofort wieder auf, wenn die Medikation pausiert oder abgesetzt wird.
Die Präparate wurden immer weiterentwickelt und verbessert, sodass die Medikamente der neueren Generation, welche ihre Wirkung jetzt überwiegend direkt in der Blase entfalten, wesentlich weniger Nebenwirkungen aufweisen. Sie entfalten sich, ohne dass sie das zentrale Nervensystem (Gehirn) zusätzlich beeinflussen.
In parallelen Zügen gehört die Dranginkontinenz Therapie mit Medikamenten neben dem Blasentraining zur Standardtherapie einer Dranginkontinenz. Durch die Medikamente entspannt sich die Blasenmuskulatur und kann dadurch wieder mehr Urin speichern. Vor allem Anticholinergika kommen dabei zum Einsatz. Diese lindern die Symptome in den meisten Fällen schnell. Beim Arzt erhalten Sie diesbezüglich jedoch auch noch nähere Informationen.
Es können bei leichten Formen von Dranginkontinenz auch pflanzliche Mittel mit Kürbis (z. B. Cysto-Urgenin, Granu Fink), Goldrute (z. B. Inconturina) oder Cranberry (z. B. Cranberola) helfen. In jedem Fall lindern sie zunächst die Reizzustände. Auf Antibiotika wird nur dann zurückgegriffen, wenn häufige Blasenentzündungen oder Harnwegsinfekte als Ursache der Drangsymptomatik diagnostiziert wurden.

  • Medikamente bei Dranginkontinenz

Unterstützend zu den oben genannten nichtmedikamentösen Therapien gibt es zur Behandlung der Dranginkontinenz auch eine Reihe an Medikamenten. Dabei haben sich vor allem urologische Spasmolytika bewährt, also Medikamente, die aus der Gruppe der Anticholinergika kommen. Diese können positive Auswirkungen auf die Entspannung der überaktiven Blasenmuskulatur haben, wodurch die Blase wieder fähig ist, mehr Urin zu speichern.
Auch lokal in die Scheide eingebrachte östrogenhaltige Zäpfchen oder Cremes können bei weiblichem Östrogenmangel für eine bessere Durchblutung der Blase sorgen. Dies führt dann ebenfalls zu einer Erhöhung der Blasenkapazität.

  • Dranginkontinenz Therapie mit Homöopathie

Bei einer Dranginkontinenz können neben den Medikamenten der klassischen Schulmedizin auch homöopathische Mittel zum Einsatz kommen. Vor allem bei Beschwerden der Reizblase, Harnwegs- und Nierenerkrankungen wird eine Einnahme des homöopathischen Mittels Petrosilinum empfohlen. Dies kann den Harndrang zu lindern. Mit Hilfe frischer Petersilie werden die homöopathischen Globuli hergestellt und sind dann in unterschiedlichen Potenzen (Verdünnungsgraden) in der Apotheke zu erwerben. Meist werden für die Selbstbehandlung die Potenten D6 bis D12 empfohlen.

  • Dranginkontinenz Therapie mit Botox (nur in Sonderfällen)

Botox ist vielen Menschen besonders im Zusammenhang mit Antifaltenbehandlungen bekannt. Jedoch kann die lähmende Wirkung des Nervengifts auch erfolgreich gegen die Beschwerden einer Dranginkontinenz helfen. Dazu wird dem Patienten unter Narkose Botox in den Harnblasenmuskel zugeführt. Allerdings ist diese Art der Therapie noch relativ jung und wird daher nur in ganz speziellen Inkontinenz-Zentren angeboten und in schweren Fällen von Dranginkontinenz praktiziert, sofern alle anderen Möglichkeiten keine nachweislich verbesserte Wirkung zeigen.

  • Botulinumtoxin (A) bei Dranginkontinenz

Sollten Patienten trotzdem unerwünschte Nebeneffekte merken und diese Medikamente deshalb nicht mehr einnehmen können oder wollen, gibt es eine dritte Therapiestufe – das Geben von Botulinumtoxin (A) in die Harnblase. Diese weitere Behandlungsoption wird unter Betäubung des unteren Körperabschnittes oder auch unter einer Vollnarkose im Rahmen einer Blasenspiegelung durchgeführt. Dabei wird das hochverdünnte Botox an 10 bis 30 Stellen in der Blase in den Blasenmuskel mit einer feinen circa 5 mm langen Nadel verabreicht.
Nach etwa einer bis zwei Wochen setzt die Wirkung (anhaltende Erschlaffung der überaktiven Blasenmuskulatur) voll ein. Sie hält dann erfahrungsgemäß für ca. 9 Monate an. Allerdings ist die Stärke der Botulinumtoxin-Wirkung nicht wirklich steuerbar. In einigen Fällen (dies geschieht jedoch selten) kann die Blase nur noch sehr schwer oder gar nicht mehr entleert werden. Dies trägt dazu bei, dass alle Patienten, die diese Art der Therapie bekommen, auch gleichermaßen den unkompliziert durchzuführenden Selbstkatheterismus erlernen. Immer mehr Betroffene mit schweren Dranginkontinenz-Beschwerden wünschen sich trotz dieser Unannehmlichkeit eine solche wirksame Behandlung. Die „Botox-Injektion“ in die Blase kann bei Wiederauftreten der Drangbeschwerden jederzeit und beliebig oft durchgeführt werden. Bisher wurden keine Nebenwirkungen auf andere Organe oder den gesamten Körper festgestellt.

  • Dranginkontinenz Therapie Physikalische

Die Überaktivität der Blasenmuskulatur kann auf unterschiedliche Ursachen zurückzuführen sein, wie beispielsweise eine chronische Blasenentzündung, Blasensteine, Stoffwechselstörungen und Nervenerkrankungen, die in jedem Fall auch entsprechend behandelt werden sollten. Oft liegt die Ursache einer Dranginkontinenz jedoch nicht bei organischen Störungen. In erster Linie geht es hierbei darum, die Symptome zu bekämpfen. Um die Therapie erfolgreich durchzuführen sollen Sie als Hilfe zur Selbsthilfe mit einem gezielten Blasen- und Toilettentraining die Kontrolle über ihre eigene Blase verbessern. Verlängern Sie daher schrittweise die Abstände zwischen den Toilettengängen. Durch diesen Vorgang gewöhnt sich die Blase wieder an größere Füllmengen. Am besten führen Sie ein Miktionstagebuch (Miktion = Blasenentleerung) und schreiben Sie in dieses alle Ergebnisse ein. Sie sollten auch notieren, wann Sie Harndrang verspüren, wie viele Minuten es dauert, dass Sie diesem nachgeben, ob Sie Urin freiwillig losgelassen haben und vor allem auch wie viel Flüssigkeit Sie zu sich nehmen. In Ergänzung dazu wird bei einer Dranginkontinenz empfohlen ein Beckenbodentraining zur Kräftigung der Muskulatur durchzuführen.

Dranginkontinenz Therapie ohne Medikamente

Meist empfehlen die Ärzte zu Beginn der Therapie eine nichtmedikamentöse Behandlung. Hier sind insbesondere ein Toilettentraining und ein Miktionsprotokoll hilfreich.

  • Miktionsprotokoll bei Dranginkontinenz

Bei einem Miktionsprotokoll oder auch Toiletten- und Trinktagebuch wird in schriftlicher Form über mehrere Tage Trinkmenge und Uhrzeit, sowie Harnmenge, Urinverlust und Harndrang in einem Blasentagebuch festgehalten. Betroffenen helfen solche Dokumentationen dabei sich die eigenen Toilettengängen bewusster zu machen. Sie unterstützen so oft auch das Toilettentraining. Ein Miktionsprotokoll ist darüber hinaus eine konkrete Hilfe für den behandelnden Arzt. Dieser kann mit den Informationen die vorliegende Inkontinenzform noch konkreter eingrenzen die Wahl der Therapie damit deutlich besser anpassen.

  • Toilettentraining bei Dranginkontinenz

Betroffenen hilft das Toilettentraining dabei den optimalen Zeitpunkt für ihre Blasenentleerung herauszufinden. Die Toilette wird dabei nach einem genauen Zeitplan aufgesucht, bevor ein Harndrang zu verspüren ist. Dabei kann beispielsweise festgelegt werden, dass der Betroffene alle zwei Stunden Flüssigkeit zu sich nimmt und nach circa 30 Minuten auf die Toilette geht. Dies sollte auch geschehen, wenn der Patient zu diesem Zeitpunkt noch nicht das Bedürfnis verspürt. Im Anschluss daran werden die Zeiträume immer weiter ausgedehnt. Das Blasenvolumen sollte sich dadurch allmählich erhöhen und der Patient erlangt wieder mehr Kontrolle über das Entleeren der Blase.

  • Beckenbodentraining

Obwohl bei der Dranginkontinenz, anders als bei einer Belastungsinkontinenz, der Schließmuskel noch intakt ist, kann auch bei dieser Inkontinenzform regelmäßiges Beckenbodentraining helfen. Die Übungen helfen nicht nur dabei ein Gespür für den Beckenboden zu bekommen und den Beckenboden generell zu stärken, sondern auch seinen Harndrang besser zu kontrollieren.

Hinweis:

Am besten trinken Sie viel! Das Einschränken der Aufnahme von Flüssigkeit ist in jedem Fall kontraproduktiv, da so die Symptome der Dranginkontinenz nur verschlimmert werden. Denn konzentrierter Urin reizt die Blasenmuskel. Deshalb empfehlen Ärzte, dass die Betroffenen mindestens zwei Liter täglich zu sich nehmen sollten. Allerdings sollten Getränke mit viel Koffein oder Kohlensäure vermieden werden, da diese den Harndrang meist erhöhen.

  •  „Taping“ gegen Dranginkontinenz

Der Einsatz von besonderen Klebestreifen auf der Haut, den sogenannten Tapes, ist eine neue Entwicklung in der Therapie einer Dranginkontinenz. Diese Behandlungsform entwickelte man in Japan und ist unter dem Namen K-Taping oder Kinesiotaping bekannt. Von Physiotherapeuten werden diese Klebebänder schon etwas länger verwendet. Sie benutzen diese um Muskelverspannungen und Ungleichgewichte der Muskulatur zu verringern bzw. zu beseitigen. Bei einer Dranginkontinenz werden die hochelastischen, hautverträglichen und atmungsaktiven Bänder im Bereich des Sakralwirbels S1 auf die Haut geklebt.

Hinweis:

Allerdings stehen wissenschaftliche Nachweise zu der Wirkungsweise der Therapie noch aus. Es kann durchaus sein, dass die Effekte der Therapie auf dem Placeboeffekt beruhen. Die Kosten werden auch von der Krankenkasse meist nicht übernommen.

Dranginkontinenz Therapie durch eine OperationEmpfehlung mit Herz inkontinenz-urologie Dranginkontinenz

Sind Behandlungen mit oder ohne Medikamente nicht möglich oder waren diese nicht erfolgreich, kommt es zur vierten Therapiestufe, der operativen (chirurgischen) Therapiemaßnahme wie zum Beispiel die (sakrale) Neuromodulation.
Nachdem Testelektroden am Kreuzbein (unterer Rücken in Hüfthöhe) direkt an den Nerven (die die Blase versorgen) angebracht wurden, wird der Effekt des über diese Elektroden geleiteten geringen Reizstroms über ungefähr 5 Tage ermittelt. Zeigt sich eine Besserung der Dranginkontinenz, kann anschließend ein entsprechendes Gerät in Form und Größe eines Herzschrittmachers etwa im tiefen Rückenbereich in das Unterhautfettgewebe angebracht (implantiert) werden, und zwar auch Dauer.

Sollte es vorkommen, dass die Blase enorm geschädigt und strukturell schon so verändert ist, dass alle anderen genannten Behandlungsmaßnahmen versagen oder gar nicht erst angewendet werden können oder zudem eine starke Schädigung der Nieren droht, ist die letzte Option eine Operation der Blase. Unter Aufnähen von körpereigenen „ausgeschalteten“ Teilabschnitten, überwiegend des Dünndarms (Blasen-Augmentation), kann zum einen eine Erweiterung bzw. Vergrößerung der Blase. Zum anderen kann, sofern dies auch nicht möglich ist, nur noch eine Entfernung (oder das „Ausschalten“) der Blase mit einer Umleitung des Harnflusses stattfinden. Der Harnfluss wird dann in einen künstlichen Blasenausgang geleitet, meist am rechten Mittelbauch und ähnlich einem künstlichen Darmausgang (Anus praeter). Eine Operation kann hierbei nichts ausrichten, da der Verschlussapparat der Harnblase bei der Dranginkontinenz noch intakt ist. Sollten jedoch Blasensteine für die Symptome verantwortlich sein, dann müssen diese jedoch entfernt werden. Sollten konkrete Ursachen einer Draninkontinenz feststehen, wie beispielsweise Blasensteine, Entzündungen, Tumore oder Ähnliches, müssen diese zunächst entsprechend behandelt werden.
Die Symptome bessern sich danach oft schnell und verschwinden sogar ganz. Die genauen Ursachen können allerdings nicht immer identifiziert werden und Vorerkrankungen können sich dahingehend genauso wenig heilen lassen. In diesem Fall kommen Therapien zur Behandlung der Dranginkontinenz zum Tragen, welche die Beschwerden lindern oder ganz beseitigen. Die Betroffenen können ihr Leben im Alter dann wieder genießen.

Fazit zu den Behandlungsoptionen der Dranginkontinenz

Äußerst selten ist die letzte Stufe der benannten Behandlungsoptionen nötig. Die meisten der Verfahren erfolgen im Bereich der ersten drei Therapiestufen. Jedoch erfordern diese auch immer eine gute Mitarbeit der Betroffenen.
Trotz der Therapiemaßnahmen und einer darauf eventuell folgenden verbesserten Symptomatik, sollten die Patienten in regelmäßiger und lebenslanger fachurologischer Kontrolle und Mitbehandlung bleiben. Eine schwere Strukturveränderung der Harnblase als Spätfolge einer Überaktivität der Blase (mit folglicher Dranginkontinenz) ist nicht reversibel (umkehrbar). In vielen Fällen kann dies jedoch durch frühes Erkennen und Behandeln verhindert werden.
Bei einer Inkontinenz gibt es keine pauschalen Therapieempfehlungen. An die Ursache, die Art und die Ausmaße der Beschwerden muss die Behandlung nach der Diagnose individuell angepasst werden. Auch an die jeweilige Lebenssituation sollte die Behandlung angepasst sein. Sie sollten mit Ihrem Arzt unbedingt die Vor- und Nachteile der infrage kommenden Behandlungsmöglichkeiten besprechen.
Die Therapien bei einer Inkontinenz belegen eine große Bandbreite an Möglichkeiten. Diese reichen von Beckenbodentraining, über Gewichtsabnahme und Verhaltensänderungen bis hin zu Therapien mit Arzneimitteln, operativen Verfahren und in bestimmten Fällen auch zur Nervenstimulation mit Hilfe eines Blasenschrittmachers. So gesehen gibt es eine große Auswahl an speziellen Hilfsmitteln. Dazu gehören Vorlagen oder Inkontinenzslips. Ab einem bestimmten Schweregrad der Inkontinenz können diese Hilfsmittel, die im Hilfsmittelverzeichnis gelistet sind auch ärztlich verordnet werden. In vielen Fällen werden bei der Behandlung mehr als eine der genannten Therapiebausteine eingesetzt.