Pflege von Angehörigen Zuhause

Wer sich zu Pflege von Angehörigen Zuhause entschieden hat dem bietet die Pflegeversicherung verschiedene Hilfen und Leistungen. Im folgenden Kapitel erfahren Sie, welche finanzielle Unterstützung Sie in diesem Fall erhalten, welche Beratungsangebote Sie nutzen können und wie Sie die Pflege eines Angehörigen mit Ihrem Beruf in Einklang bringen können.

  • Finanzielle Unterstützung (Pflegegeld)
  • Soziale Absicherung der Pflegeperson
  • Urlaubsvertretung (Verhinderungspflege)
  • Pflegekurse für Angehörige
  • Vereinbarkeit von Pflege und Beruf
  • Pflegezeit
  • Familienpflegezeit
  • Kurzzeitige Arbeitsverhinderung und Pflegeunterstützungsgeld
  • Finanzielle Unterstützung (Pflegegeld)

Pflegeleistungen / Pflegesachleistungen für die häusliche Pflege

Soziale Absicherung für private Pflegeperson

Pflegepersonen haben Ansprüche auf Leistungen zur sozialen Sicherung. Seit dem 1. Januar 2017 gilt: Wer eine oder mehrere pflegebedürftige Personen des Pflegegrades 2 bis 5 in ihrer häuslichen Umgebung nicht erwerbsmäßig für wenigstens zehn Stunden wöchentlich, verteilt auf regelmäßig mindestens zwei Tage in der Woche, pflegt, ist im Sinne der Pflegeversicherung eine Pflegeperson.

Pflegegeld und Pflegegeldempfänger

Das Pflegegeld ist eine entgeltliche Leistung der Pflegeversicherung. Diese wird gezahlt, wenn die Pflege selbst gewährleistet wird – z.B. ,wenn sie durch Familienangehörige erfolgt.

Das Pflegegeld wird nicht direkt an die zu pflegende Person ausgezahlt, nicht an den Pfleger.  Sie oder er kann das Geld als finanzielle Anerkennung an pflegende Angehörige weitergeben.

Wie viel Pflegegeld bzw. Pflegesachleistungen steht Ihnen zu?

Pflegegrad des Pflegebedürftigen Art der bezogenen LeistungBeitragshöhe pro Monat (West) Stand 2017Beitragshöhe pro Monat (Ost) Stand 2017 
5Geldleistung556,33€497,42€
Kombinationsleistung472,88€422,81€
Sachleistung389,43€348,19€
4Geldleistung389,43€348,19€
Kombinationsleistung331,01€295,96€
Sachleistung272,60€243,74€
3Geldleistung239,22€213,89€
Kombinationsleistung203,34€181,81€
Sachleistung167,45€149,72€
2Geldleistung150,21€134,30€
Kombinationsleistung127,68€114,16€
Sachleistung105,15€94,01€

Was sind Pflegesachleistungen?

Pflegesachleistungen nach § 36 SGB XI Sozialgesetzbuch sind keine typischen Verbrauchsmaterialien oder Güter. Bei Pflegesachleistungen sind die Dienstleistungen, die von einem Mitarbeitern des ambulanten Pflegedienstes erbracht werden. Es handelt sich um Pflegesachleistungen, sofern eine pflegebedürftige Person im häuslichen Umfeld von durch einen eines ambulanten Pflegedienstes gepflegt wird.

Erhalten Sie also für den Monat August eine Rechnung vom Pflegedienst über 493,50 Euro, so haben Sie Pflegesachleistungen in Höhe von 493,50 Euro erhalten.

Was bedeutet Kombinationspflege?

Von Kombinationspflege wird gesprochen, wenn für die häusliche Pflege ein anteiliges Pflegegeld bezogen und ein Pflegedienst in Anspruch genommen wird, also die Kombination von Geldleistungen und Sachleistungen. Sprich: Wenn die Pflege in Kombination von pflegenden Angehörigen und einem Pflegedienst durchgeführt wird.

Wie wird das Pflegegeld mit den Pflegesachleistungen verrechnet?

Die Einstufung in einen Pflegegrad durch den MDK (Medizinischen Dienst der Krankenkassen) legt fest wie hoch ihr Pflegegeld bzw. die Pflegesachleistung ist.

Ein Pflegedienst rechnet seine Leistungen monatlich mit der Pflegeversicherung ab. Sofern Sie bereits eine Kombinationspflege haben, prüft die Pflegekasse, ob die Pflegesachleistungen voll ausgeschöpft wurden.

Hinweis:

Wurden weniger finanzielle Leistungen für den Pflegedienst benötigt, als Ihnen zusteht, wird der offene Betrag prozentual als Pflegegeld ausbezahlt!

Pflegende Angehörige sind  beitragsfrei gesetzlich unfallversichert!

Wer als Pflegeperson einen nahestehenden Menschen in seiner häuslichen Umgebung pflegt, ist beitragsfrei gesetzlich unfallversichert. Erfasst sind dabei die Tätigkeiten, die auch in der Pflegeversicherung selbst als pflegerische Maßnahmen berücksichtigt werden, sowie die Hilfen bei der Haushaltsführung. Ebenso besteht Unfallversicherungsschutz auf dem direkten Hin- und Rückweg zum Ort der Pflegetätigkeit, wenn die oder der Pflegebedürftige in einer anderen Wohnung als die Pflegeperson wohnt.

Arbeitslosenversicherung für Pflegende Angehörige zahlt die gesetzliche Pflegeversicherung!

Für Pflegepersonen, die aus dem Beruf aussteigen, um sich der Pflege von Angehörigen Zuhause zu widmen, bezahlt die Pflegeversicherung seit dem 1. Januar 2017 die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung für die gesamte Dauer der Pflegetätigkeit. Die Pflegepersonen haben damit Anspruch auf Arbeitslosengeld und Leistungen der aktiven Arbeitsförderung, falls ein nahtloser Einstieg in eine Beschäftigung nach Ende der Pflegetätigkeit nicht gelingt. Gleiches gilt für Personen, die für die Pflege den Leistungsbezug aus der Arbeitslosenversicherung unterbrechen.

Die Beiträge werden von der Pflegeversicherung getragen. Für Pflegepersonen, die aufgrund ihrer Pflegetätigkeit nach dem bis zum 31. Dezember 2016 geltenden Recht freiwillig in der Arbeitslosenversicherung versichert waren, wird die freiwillige Versicherung seit dem 1. Januar 2017 als Pflichtversicherung (das heißt Beitragstragung allein durch die Pflegeversicherung) fortgesetzt, solange die Pflegetätigkeit geleistet wird.

Pflegende Angehörige oder private Pflegepersonen haben Anspruch auf Rentenversicherung!

Ist die Pflegeperson nicht mehr als 30 Stunden in der Woche erwerbstätig, zahlt die Pflegeversicherung Beiträge zur Rentenversicherung. Die Höhe richtet sich dabei nach dem Pflegegrad sowie der bezogenen Leistungsart (nur Pflegegeldbezug, nur Bezug von ambulanten Pflegesachleistungen oder Bezug der Kombinationsleistung).

Wieviel Rente bekomme ich für das Pflegen von Angehörigen?

Die Pflegekasse zahlt Rentenversicherungsbeiträge für Pflegepersonen

  • Alte Bundesländer  zwischen 105,15 Euro und 556,33 Euro monatlich  – Stand 2017 *
  • Neue Bundesländer zwischen 94,01 Euro und 497,42 Euro monatlich  – Stand 2017 *

*Die Pflegepersonen werden so gestellt, als würden sie ein Arbeitsentgelt zwischen 562,28 Euro und 2.975,00 Euro monatlich (Werte 2017 – alte Bundesländer) beziehungsweise zwischen 502,74 und 2.660,00 Euro monatlich (Werte 2017 – neue Bundesländer) erhalten.

Zahlung von Rentenversicherungsbeiträgen für private Pflegepersonen:

Durchschnittlich ergibt ein Jahr Pflegetätigkeit einen monatlichen Rentenanspruch zwischen:

  • 5,54 Euro und 29,30€*² in den alten Bundesländer
  • 5,22 und 27,60€ *² in den neuen Bundesländer

*² Werte Stand 2017

Verhinderungspflege – als Urlaubsvertretung

Die Pflegekasse zahlt eine notwendige Ersatzpflege für Pflegebedürftige der Pflegegrade 2 bis 5, wenn die Pflegeperson wegen Urlaub oder Krankheit die beziehungsweise den Angehörigen nicht pflegen kann. Dies gilt jedoch nur unter der Voraussetzung, dass die beziehungsweise der Pflegende seit mindestens sechs Monaten die Pflege übernommen hat. Der Anspruch besteht für maximal sechs Wochen im Jahr. Dies wird Verhinderungspflege genannt.

Weitere Alternativen zur Erholung beziehungsweise Entlastung der Pflegenden sind die teilstationäre Tages­ und Nachtpflege sowie die Kurzzeitpflege.

Bei der Inanspruchnahme der Verhinderungspflege wird bis zu sechs Wochen und bei der Kurzzeitpflege bis zu acht Wochen je Kalenderjahr die Hälfte des bisher bezogenen Pflegegeldes weitergezahlt.

Für die Dauer eines Erholungsurlaubs der Pflegeperson werden die Renten- und Arbeitslosenversicherungsbeiträge von der Pflegekasse weitergezahlt. Dadurch bleibt der Rentenanspruch für die Zeit des Urlaubs ungeschmälert bestehen und der Arbeitslosenversicherungsschutz erhalten.

Pflegekurse für Angehörige

Die Pflegekassen haben für Personen, die sich für die Pflege von Angehörigen zu Hause entschieden haben, oder sich ehrenamtlich um Pflegebedürftige kümmern, unentgeltlich Schulungskurse durchzuführen. Diese Kurse werden zum Teil in Zusammenarbeit mit Verbänden der freien Wohlfahrtspflege, mit Volkshochschulen, der Nachbarschaftshilfe oder Bildungsvereinen angeboten. Sie bieten praktische Anleitung und Informationen, aber auch Beratung und Unterstützung zu den unterschiedlichsten Themen. Außerdem bieten diese Kurse pflegenden Angehörigen die Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Auf Wunsch findet die Schulung auch in der häuslichen Umgebung der beziehungsweise des Pflege­bedürftigen statt.

Außerdem werden bei Pflegegeldbezieherinnen und Pflegegeld­beziehern häusliche Beratungseinsätze durchgeführt. Pflegebedürftige, die ausschließlich Pflegegeld beziehen, müssen diese regelmäßig in Anspruch nehmen.

Vereinbarkeit von Pflege und Beruf

Die Freistellungen nach dem Pflegezeitgesetz und dem Familienpflegezeitgesetz, die kurzzeitige Arbeitsverhinderung und das Pflegeunterstützungsgeld ermöglichen es Beschäftigten, den Beruf und die Pflege von Angehörigen zu vereinbaren.

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